Die längste Nacht des Jahres

Die Natur hat sich ganz in sich zurückgezogen und bewegt sich kaum. Wenn sie sich in Schnee einhüllt fühlt sich alles ganz ruhig und voller Frieden an. Es scheint als würde alles stillstehen. In der Erde beginnt es gerade jetzt neu zu leben, kaum erkennbar, aber es sammeln sich Kräfte des Neuanfangs.

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An der Wintersonnenwende, dem 21. Dezember feierte man die Wiedergeburt des Lichts. Überall wurden Jul-Feuer entzündet zu Ehren der Sonne und um ihr den Weg zu ebnen.
Und als Gegenstück zur Sommersonnenwende ist die Ehre und Freude über das Sonnenlicht deutlich spürbar. So werden an der Wintersonnenwende gerne Kräuter und Harze geräuchert, die an der Sommersonnenwende gesammelt wurden, da sie an diesem Tag die höchste Kraft innehaben. Wir können uns also die heilsame Kraft der Sommersonne in dieser Form einladen und diese in den geweihten Nächten ins Haus, unser Leben holen. Dies unterstreicht wieder, wie wichtig der Jahreslauf in Bezug zu unserem Lebenslauf ist und gewürdigt wird.
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Die Wintersonnenwende oder Julnacht ist die längste Nacht und der kürzeste Tag. Und an diesem Tag wendet der Sonnenstand, so dass – kaum merklich in den ersten drei Tagen bis Heiligabend – das Tageslicht sich verlängert. Man zelebrierte die Rückkehr des Lichts und der damit verbundenen  wiedergebärenden Lebenskräfte. Wie ein Sieg des Lichts über die Dunkelheit.Es beginnt wieder ein neuer Zyklus im Rad des Lebens.
Ab dem ersten Weihnachtsfeiertag kann man ganz leicht bemerken, wie es immer mehr zunimmt. Dazu gibt es ein sehr bekanntes überliefertes Sprüchlein:
Zu Weihnachten a Muckngahn,
zu Neujahr a Hahnentritt,
zu Heilig Drei Könige a Hirschensprung
und zu Maria Lichtmess a ganze Stund.
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Bei uns wird dieser Nacht auch Thomasnacht genannt und man fütterte bis zu diesem Tag die Mettensau. Ein Schwein welches an der Thomasnacht geschlachtet wurde, um nach der Christmette von dem Fleisch und den Würsten schlemmen zu können. Meist gab es zu diesem Anlass auch immer 12 verschiedene Beilagen. Es ist eine Zeit des Orakelns und der Weissagung. Dieser Tag war ein wichtiger Lostag fürs Wetter, und die Liebe. Besonderes Augenmerk legte man an diesem Tag auf die Träume. Denn sie sollten Aufschluss geben über bestehende Fragen und auch Vorschau geben auf die Zukunft. An diesem Tage versuchten z.B. die ledigen Frauen mit unterschiedlichen Ritualen einen Blick auf ihren Zukünftigen zu erhaschen bzw günstig zu beeinflussen wer sie heiraten wird.
„Finstere Thomasnacht,
stets ein gutes Jahr gebracht.“ 
„Frierts an Thomas, fällt der Kornpreis;
Ist es mild, steigt er.“
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Ebenso war es wichtig vor der Wintersonnenwende alles Geliehene und Verliehene zurückzugeben oder zurückzuholen. Alle Schulden sollten beglichen und Rechnungen bezahlt sein. Um einen Energieverlust im neuen Jahr zu vermeiden und keine Altlasten mit ins neue Jahr zu nehmen. Alle Werkzeuge sollten repariert und instandgesetzt sein. Die Werkstätten aufgeräumt und geordnet. Alles was nicht mehr gebraucht wurde in Haus und Hof sollte aussortiert sein und in eine Ordnung gebracht sein. Es sollte ausgesprochen sein, was unterm Jahr noch nicht befriedet war oder was es noch zu sagen gab. Ganz wichtig war es auch zu danken. Für alles wofür ein Dank noch ausstand, sollte vor der Thomasnacht ausgeglichen werden. Es war ein zentraler Wendepunkt im Leben unserer Vorfahren und man blickte zurück und setze die Samen für das Neue. Auch wir können dies für uns nutzen.
Persönliche Fragen zu dieser Zeit:
„Welches Licht brennt in mir und möchte genährt werden?“
„Was ist in diesem Jahr in mir ans Licht gekommen und wurde vollendet?“
„Wie kann ich ein Licht für diese Welt sein?“
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Feuer stand fürs Überleben, denn mit dem Feuer konnte man heizen, konnte man Nahrung zubereiten, wurde es hell und man hielt Unheilvolles fern. Es hatte die Kraft zu transformieren und so neu zu schaffen. Das Entzünden des Julfeuers stand symbolisch auch dafür, dass das Alte und Vergangene gewandelt wird in den Flammen und das Neue voller Hoffnung und Zuversicht eingeladen und genährt wird.
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Dazu möchte ich Euch ein schönes Ritual für Euer Feuer mitgeben:

Schreibe Dir mehrere Zettel mit den Dingen, Tugenden oder Vergangenem, das Du loslassen möchtest. Aber auch Situationen, die Dich nicht mehr belasten sollen. Und auch Dinge, die sich im Lauf des Jahres verändert haben in und mit Dir.

Nimm Dir eine  Kerze und entzünde die Zettel einzeln darin.Halte inne und betrachte bewusst die Worte, welche sich im Feuer auflösen. Lege die Reste in eine Schale und wenn Du möchtest kannst Du hinterher ein wenig räuchern.

Gerne kannst Du aber auch ein Feuer entzünden und das Licht ehren. Nähre das Feuer mit segnenden Kräutern und Harzen. Wenn Du soweit bist verbrenne die Zettel im Feuer. Auch hier solltest Du innehalten und bewusst zusehen wie sich die Worte auf den einzelnen Zetteln auflösen. Du kannst gerne nach jedem Zettelchen auch ein wenig Räucherwerk mit ins Feuer werfen. Hierzu eignet sich gut ganz fein gemahlenes Olibanum.

Mehr zu den Jahreskreisfesten findest du im Artikel „Jahrekreisfeste“ dazu. 

Bilder: Adelheid Koch – Startbild, Bild 1, 2 / Cornelia Müller – Bild 3, 4, 5

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