Frühling in Bärnau

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Bärnau im Landkreis Tirschenreuth  liegt 600 Meter hoch und so ist es mit der Vegetation etwas hinterher als der Rest vom Stiftland, doch ist das nicht unbedingt von Nachteil.

In den kleinen Kräutergärten an den rekonstruierten Lehmhütten aus den Jahren 800 -1300 n.Chr. muss man das Grün noch suchen. Doch an verstecken Ecken, dort wo die Sonne die Holzbalken und die Lehmwände erwärmt und ein Mikroklima schafft, da sind sie, die Botschafter des Frühlings.  Klein, zart doch mit einer Kraft, die auch uns mitnehmen möchte. Sie flüstern, säuseln, zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht. “Komm steh auf, er kommt! Der Frühling mit seinem zarten Grün, mit seinen zarten Farben, mit den länger werdenden Tagen. Das uns mitreißt aus dem Haus zugehen und in der Natur zu verweilen.

So ein Ort ist auch der Geschichtspark Bärnau / Tachov.  Verweilen-entdecken-beobachten-vorstellen wie es mal war- Geschichte.

Auch wenn derzeit unser Geschichtspark noch geschlossen hat, mach ich mich auf die Suche nach den Ersten Frühlingsboten die hier wachsen. Erwartungsvoll–suchend schlenderte ich durch das Mittelalterdorf und freute mich über die ersten zaghaften Blüten der Kornelkirsche, die Blütenkätzchen der Hasel, den kleinen Spitzwegerich und den sonnengleichen Blüten des Huflattichs.

 

 

 

Kornelkrische

Cornus mas

Hell gelbe Blüten strahlen mir aus dem Gebüsch entgegen, die kleinen Blüten kommen noch vor den Blättern und sind mit einer der ersten Pollenspender für die Bienen. Die kleinen Blüten sind essbar und geben eine schöne Verzierung ab. Doch sollte man sie doch den Insekten lassen.

Viel interessanter sind doch für uns die Früchte die im August bis ca. Oktober reif werden. Sie sind gesundheitlich eine gute Unterstützung bei Magen- und Darmbeschwerden.

Aber auch das Holz ist von einer ganz besonderen Qualität. Es ist das härteste Holz Europas. Es ist sogar so schwer, dass es im Wasser untergeht. In früherer Zeit stellte man daraus Werkzeugstiele, Stöcke und Leitersprossen her.

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Haselnuss

Corylus avellana

Unkaputtbar, für immer Jung. Schätzen kann man das Alter der Hasel schlecht. Desto mehr man den Strauch schneidet, umso mehr treibt er aus. Er wächst gern in der Nähe des Menschen. Beschenkt uns mit Haselnüssen und im Frühling bescheren uns die männlichen Blütenkätzchen den Blütenstaub. Doch sind diese Kätzchen sehr proteinreich und man kann sein Müsli damit aufwerten (sofern man nicht allergisch reagiert).

Viele Märchen und Mythen ranken sich um die Hasel. Das bekannteste ist wohl  „Aschenputtel“ mit dem Haselstrauch auf dem Grab ihrer Mutter. Doch auch Wünschelruten, Besenstiele und Bögen werden aus ihr gemacht.

Mit den Blättern lässt sich Wolle und Baumwolle gut färben.

Haselkätzchen -

 

Spitzwegerich

Plantago lanceolata

Der Spitzwegerich gehört für mich zu den „Erste Hilfe am Wegesrand“- Pflanzen.

Der Wegbeherrscher. Überall ist er leicht zu finden, eigentlich unverwechselbar.

Bei einem Insektenstich ist er sofort einsetzbar. Einfach ein Blatt zwischen den Fingern verreiben, so dass der Pflanzensaft austritt, auf die Stichstelle geben und schon ist eine Linderung zu spüren. Der Spitzwegerich enthält ein natürliches Antibiotika das Aucubin, das diese Wirkung möglich macht. Als Tee hilft er bei Husten und Smoothies macht er wunderbar cremig.

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Huflattich

Tussilago farfara

Die Natur gibt uns das was wir brauchen! Das erstaunt mich immer wieder. Gerade nach der langen Winterzeit, in der unser Immunsystem am schwächsten ist, schickt es uns kleine Sonnen.

Der Huflattich: wie kleine Sonnen steht er am Wegesrand, kennt man ihn, sieht man ihn überall.

Erst kommt die Blüte, Wochen später erst die Blätter. Er hilft bei trockenen Husten.

Er hat es geschafft in die Zulassung der Arzneimittel aufgenommen zu werden. Allerdings enthält er den Stoff Pyrriolizidinalkaloide (PA) welcher die Leber schädigen kann. Wer auf Nummer sicher geht, kann sich aus der Apotheke welche aus kontrolliertem Anbau mit reduzierten PA holen.

 

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Andrea Wolf ist begeisterte Kräutervermittlerin in Bärnau. Hier ist ihr Zuhause und ein wenig ist sie das auch. im Geschichtspark in Bärnau. Ob mit Kindern oder Erwachsenen – sie liebt es jung und Alt durch den Park. zu führen, ihnen von der Entstehung zu erzählen und auch gern ganz  pragmatische und sofort anwendbare Kräuter mit auf den Weg zu geben. Die Vielfalt und Möglichkeiten eines Krauts faszinieren Andrea immer aufs Neue – „Und man lernt ja nie aus!“

Text: Andrea Wolf

Redaktion: Cornelia Müller

Bilder: Startbild, 1, 3, 4 – Cornelia Müller

2 – Johanna Härtl

Portrait – Andrea Wolf

 

 

 

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