Knospenkraft

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„Gemma ist mein Name. Zu Deutsch Knospe. Ich bin die Zuversicht und die Hoffnung einer jeden Pflanze. Winzig und unscheinbar schlummere ich in einer Blattachsel oder an der Spitze eines Pflanzentriebes. Aber in mir verbirgt sich die geballte Kraft eines Blattes, eines Zweiges oder eines ganzen Astes. Nach dem unabänderlichen Bauplan meiner Mutterpflanze warte ich auf den Weckruf der Natur. Licht und Wärme lassen mich aufgehen und meine Bestimmung erfüllen.“

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Dieser Vorstellung lauschte vermutlich Dr. Pol Henry. Ein belgischer Forscher, der in Anlehnung an die Frischzellenkur von Dr. Niehans auf der Suche nach einem natürlichen Heilmittel war. Weil er es jedoch ablehnte mit menschlichem Embryonalgewebe zu experimentieren folgte er den Spuren des französischen Botanikers Prof. George Nétien, der auf dem Gebiet der botanischen Homöopathie forschte. Er begab sich auf die Suche in der Pflanzenwelt und entdeckte in den Knospen der Moorbirke die ersten Wirkprinzipien.

Er war angetan von der enormen Kraft in dem pflanzlichen, embryonalen Gewebe, dem Meristem. Weiterhin fand er in seinen unzähligen Versuchen heraus, dass sich die gesamte genetische Information in der Knospe befindet. Er experimentierte mit unterschiedlichen Methoden um Auszüge aus Knospen herzustellen und kam schließlich zum Mazerat, einem Prozess bei dem die Essenz der Pflanze mit einem Gemisch aus hochprozentigem Alkohol, Glycerin und Wasser entzogen wird und im Gegensatz zum reiner Alkoholauszug, der bis dahin üblich war, die pflanzlichen Proteine erhalten bleiben. Er nannte seine Entdeckung Phyto-Embryotherapie.

 

Es stellte sich bei seinen Forschungen heraus, dass bereits Heilkundige vor ihm die Kraft der Knospen erkannt und dokumentiert hatten. Hildegard von Bingen z. B. beschrieb in ihrem Buch Liber Divinorum Operum die Heilkraft der Knospen von Birke, Edelkastanie, Esche, Heckenrose, Holzapfelbaum, Pappel, Schwarzer Johannisbeere und Silberlinde.

 

In jüngerer Zeit haben sich Wissenschaftler aller Sparten mit den Knospenmazeraten beschäftigt und deren Wirksamkeit belegt. Im Französischen Arzneibuch finden sich die Knospenmittel seit 1965 und 2011 wurden sie als Glycerolmazerate ins Pharmacopoeia Europaea – das Europäische Arzneibuch aufgenommen. Darin sind sie den homöopatischen Herstellungsverfahren zugeordnet. Schließlich hat der enge Vertraute von Dr. Henry – der Homöopath Dr. Max Tétau – aus dieser Phyto-Embryotherapie die Gemmotherapie entwickelt.

Eingenommen werden die Mazerate mit Wasser verdünnt oder per Zerstäuber.

 

Die wohl am häufigsten und genauesten erforschte Knospe ist die der Schwarzen Johannisbeere. Einige Pflanzen und ihre Anwendung werden hier kurz vorgestellt:

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Schwarze Johannisbeere (Ribes nigum)

Aufgrund ihrer entzündungshemmenden und antiallergischen Wirkung wird die schwarze Johannisbeere auch als pflanzliches Kortison bezeichnet. Sie ist das Ganzkörpermittel : Allergien, Hauterkrankungen (Akne, Ekzeme, Herpes, Schuppenflechte), Chron. Schnupfen, Migräne, Rheuma, Gicht…..
„Zum Johannistag werden die Beeren reif“

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Silberlinde (Tilla tomentosa)

Sie ist das Mittel für‘s vegetative Nervensystem. Sie wirkt beruhigend und krampflösend. Hilft bei Ein- und Durchschlafproblemen. Unterstützt bei depressiver Verstimmung, bei Hyperaktivität und lindert Neuralgien.
„Die Linde war der Göttin Freya geweiht unter ihrem Blätterdach wurde Gericht gehalten – judicum sub tilia“

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Moorbirke (Betula pubescens)

In der Gemmotherapie wird die Moorbirke bei Abnützungserscheinung der Gelenke empfohlen. Es soll beim Remineralisieren der Knochen und der Verstärkung der Knochenzwischenräume hilfreich sein. Sie ist gut für ältere Menschen geeignet.
„Sie wird auch ‚Haarbirke‘ oder ‚Flaumbirke‘ genannt“

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Himbeere (Rubus idaeus)

Die Himbeere wurde schon früher von Hebammen zur Förderung der Geburt eingesetzt. Als Mazerat dient es zur Linderung von Menstrutationsbeschwerden, PMS und Amennorrhoe. Es unterstützt die Regulierung des weiblichen Hormonsystems und des Monatszyklus.
„Hintperi – die Beere der Hirschkuh“

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Eiche (Quercus pedunculata)

Wird bei chronischer Verstopfung, Rheuma und Arthritis angewendet. Außerdem findet es bei Hypotonie, Frühjahrsmüdigkeit und beim Einnässen von Kindern Verwendung.
„Einer nordischen Legende nach wurde der erste Mensch aus einer Eiche geboren“

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Walnuss (Juglans regia)

Die Walnuss hilft bei allen Hautkrankheiten, sogar chr. Entzündungen und Geschwüre. Sie stärkt die Bauchspeicheldrüse und senkt den Blutzuckerspiegel. Im Altertum galt sie als Vorbeugung gegen die Pest.
„Abgeleitet von ‚Jovis glans‘- ‚Jupiters Eichel‘ und ‚regia‘ für göttlich. Für die Griechen war die Walnuss eine göttliche Frucht.“

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Rosmarin (Rosmarinus officinalis)

Rosmarin stärkt Leber und Galle und damit die Verdauung. Er unterstützt bei Unverträglichkeiten von bestimmten Nahrungsmitteln. Außerdem hilft es beim Loswerden von Übergewicht.
„Übersetzt mit Meertau – er ist der ‚Meerschaumgeborenen‘ Aphrodite geweiht“

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und ganz bald erwacht

aus diesen Knospen neues Leben:

frisches Grün, frisches Leben und Frühlingsduft!

(Austrieb der Buche – Fagus sylvatica)

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Über die Autorin
Hildegard-Kern

Hildegard Kern: Neben der Heilpraxis sind Kräuter, vor allem die Bachblüten und auch Knospen, Teil ihrer Leidenschaft. Hildegard liebt und lebt ihren Garten und die Natur. Sie nimmt dankbar all die Geschenke an, die sie daraus dargeboten bekommt. Mehr zu ihr findest du unter Kräuterleut‘. Ihr Wissen gibt sie gern in Kursen weiter. (finden derzeit leider nicht statt. Stand Feb 2021)

Text: Hildegard Kern

Bilder: Cornelia Müller

Quellen: Gemmotherapie, Knospen in der Naturheilkunde.
Christa Ganz, Louis Mutter, Adrian Gerber

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