21. Dezember 2020
Raunächte

Es ging und geht in den Raunächten immer um ein bewusstes Verabschieden des Alten und Begrüßen des Neuen.

Es wird überliefert, dass in diesen Tagen die Schicksalsgöttinnen ihre Fäden für unser Leben weben.
Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft
Die bedeutendsten vier Rauhnächte sind:
Nacht auf den 21. Dezember : Längste Nacht des Jahres, Thomasnacht
Nacht vom 24. auf den 25. Dezember : Heilige Nacht
Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar : Silvester/Neujahr
Nacht auf den 6. Januar : Heilig drei Könige
Es ist die Zeit ohne Zeit!
So ist diese Differenz der Grund, warum in diesen Tagen eine besondere Zeitqualität herrscht. Es sind übriggebliebene Tage und ebenso eine Schwellenzeit mit ganz magischen Kräften. Die längste Schwellenzeit des Jahres.

Alle Jahreskreisfeste sind Schwellenzeiten so wie auch der Sonnenauf – oder Sonnenuntergang. Hier wirken besonders starke und magische Kräfte und man sagt ihnen nach, dass hier die Tore zur Anderswelt weiter geöffnet sind. Die Zeit steht still und wir sind sprachlos in solchen Momenten des Übergangs.
Die Rauhnächte sind Losnächte. „Los“ kommt von „losen“, „vorhersagen“.


Wenn es dunkel wurde ruhte man, wenn es hell war arbeitete man!
Es ist Ruhezeit und Rückzugszeit um Kräfte zu sammeln für den Neubeginn im Frühjahr. Regeneration und Erholung, Rückschau und Neuausrichtung sind unsere Bedürfnisse in dieser dunklen Jahreszeit.
Man überliefert, dass man in diesen Tagen mit den Tieren reden konnte und Orakel, Visionen und Zukunftsdeutungen möglich waren. Es war eine magische und mystische Zeit, um die sich viele Mythen und Legenden drehten.
Die jedoch auch mit vielerlei Angst und Furcht besetzt war, da sie für das neue Jahr und die Zukunft die Samen setzten. So wurden viele Gebote und Verbote aufgestellt, überliefert und strikt eingehalten um das Schicksal gütig zu stimmen.
Man vermied Kreuzungen und las aus Zwiebeln das Wetter, man hörte den Tieren zu was sie über die Zukunft im Huas wissen, man bat in der Thomasnacht nackt auf einem Schemel stehend einen Blick auf den Zukünftigen, man warf Schuhe, ob man das Haus verlassen müsse oder bleiben kann, usw….
Die Träume waren intensiver und ließen die Zukunft erahnen. So schrieb man die Träume auf, denn viele dieser Träume wurden wahr oder enthielten eine wichtige Botschaft für die Zukunft des Träumenden. (z.B. zukünftiger Ehemann). Besonders die Träume der Thomasnacht hatten ein große Bedeutung.

Ein besonderes Augenmerk hatte man auf das Wetter. Die älteste Generation überwachte und notierte alles ganz genau, denn davon hing die Planung des Säens und Erntens im neuen Jahr ab. Ebenso wurde jedes Detail der Raunacht beachtet und als schlechtes Omen oder gutes Zeichen gedeutet
Vielerorts rechnete man den ersten 6 Raunächten das Alte zu und nutzte sie zum Auflösen, Abschließen und Altes gehen lassen.
Die anderen 6 Raunächte waren der Zukunft und den Träumen, Zielen und Wünschen gewidmet.
Man ehrte besonders die Ahnen und schmückte ihnen ein Ahnentischchen, das mit Bildern, Kerzen und Essensresten des Festmahls bestückt wurde. Manchmal ließ ,an auch über Nacht am großen Stubentisch ein Gedeck mit Essen für die Ahnen stehen, damit sie sich in der Nacht laben konnten.
Im Vorfeld schon wurden Projekte beendet und keine neuen begonnen um dies zu symbolisieren. Ebenso wurden Werkstätten und Werkzeug gut sortiert und repariert. Geliehenes wurde zurückgegeben oder zurückgeholt, Schulden begleichen und offene Rechnungen bezahlt. Es wurde geordnet und alles blitzeblank geputzt.
Streitigkeiten wurden aus der Welt geschafft und ausgesprochen.
So wurde nichts mit ins neue Jahr hinübergenommen, was man nicht mehr brauchte.

VERBOTE – Türen schlagen – Streit – Fluchen – Arbeiten – nur das Nötigste – Es durfte sich kein Rad drehen ( Spinnen ) – Glücksspiel mit Karten oder Geld – Bei Dunkelheit nicht ausser Haus gehen – Feuer durfte nicht ausgehen – Keine Haare und Nägel schneiden – Kein Karten und Glücksspiel vor allem nicht um Geld
GEBOTE – Bittenden geben – Schulden begleichen – Aussöhnen – Räuchern an den 4 Hoch-Tagen – Räuchern am 6.Januar – Opfergaben an die Götter und an Frau Holle – Extraportion Futter für die Tiere im Stall und Segnung – Ein Licht in das Fenster stellen für die Ahnen und um herumirrenden Geistern zu zeigen, hier ist Leben – Geschichten erzählen – Miteinander feiern – Ordnung halten – Ehren von Verstorbenen dieses Jahres und dazu wurde eine besondere Ahnenecke geschmückt – Grundstück wurde umstellt an den 4 Ecken mit Licht

Auch heute noch können wir auf wundersame und magische Art und Weise die Raunächte leben und er-LEBEN. Es ist eine Zeit der bewussten Rückschau und des Innehaltens, des Ruhens und Regenerierens um Kraft zu haben für das was kommt. Ebenso laden uns diese Tage ein, besonnen und achtsam unser Leben zu überdenken und uns neu zu fokussieren, wohin unser Weg gehen soll. Die Träume und Wünsche dürfen wiederentdeckt und genährt werden.
Notiere alles, was Dir wichtig erscheint. Reinige Dich und Deine Räume durch Räuchern und begrüße mit Segenswünschen das neue Jahr.
Es bietet sich an – auch in unserer modernen und schnellen Welt – in diesen Tagen langsamer zu werden, die Stille in uns wahrzunehmen und sich auf das zu konzentrieren, was unser Herz uns sagen will. Denn an keinem Zeitpunkt im Jahr sind wir uns näher als in diesen geweihten und heiligen Nächten.
So wünsche ich Dir genauso viele wundervolle Momente, wie ich sie seit Jahren erleben darf. Genieße den Zauber und die Magie dieser „Zeit ohne Zeit“ mit viel Bewusstheit und Dankbarkeit.

Bilder: Adelheid Koch