13. März 2021
Scharbockskraut

Der selten verwendete Name Feigwurz leitet sich wahrscheinlich im Sinne der mittelalterlichen Signaturenlehre von ihrer Wirkung bei der Behandlung von Warzen bei Rindern (genannt Feigen) ab. Die medizinischen Eigenschaften werden auch heute noch als entzündungshemmend, schmerzlindernd bei innerlicher und äußerlicher Anwendung (Hämorrhoiden) genannt.
Hildegard von Bingen schreibt dem Scharbockskraut heilende Wirkung bei Hautunreinheiten, Hämorrhoiden und hohem Fieber zu. In der heutigen Heilkunde hat das Scharbockskraut trotz hohem Vitamin-C Gehalt, ätherischem Öl, Gerbstoffen und Saponinen keine Bedeutung mehr.

Feigwurz, in der Schweiz Glitzerlie
Scharbock ist der alte Name für die Mangelkrankheit Skorbut. Die Blätter enthalten viel Vitamin C. Deshalb wurde das frische Scharbockskraut früher auch gegen Mangel an Vitamin C bei Skorbut eingenommen, vor allem von armen Leuten und Seeleuten. Mit getrocknetem und geriebenem Kraut streckte man zu Hungerzeiten auch Mehl („Himmelsgerste“).
Obwohl das Scharbockskraut in allen Teilen giftig ist, kann man die jungen, vor der Blüte frisch geernteten Blätter und die energiereichen weißen Brutknospen für Salate (Frühlings-Blutreinigung) und Aufstriche, aber auch für Smoothies verwenden. Wem das frische Kraut zu scharf ist, kann das Scharbockkraut in der milderen, getrockneten Form verwenden. Tee aus getrocknetem Kraut soll gegen Hautunreinheiten helfen.
Der nach der Blüte hohe giftige Protoanemoninanteil des Scharbockskrauts (die Giftigkeit lässt sich durch Trocknen verringern.) kann zu Schleimhautreizung, Magenverstimmung und sogar zu Vergiftung führen.
Gott schuf das Scharbockskraut – indessen,
den Bock dazu hat er vergessen.
Weshalb das Kraut zwar grünt und sprießt,
jedoch vergebens,
weil keiner kommt,
der es genießt.
(Ein Inbegriff verfehlten Lebens.)
Karl Heinrich Waggerl „Heiteres Herbarium“

Walburg Ernst ist eine der ersten gewesen, die sich nach Veröffentlichen unserer Website im Herbst bei uns gemeldet hat. Sie hat schon mehrere Ausbildungen gemacht und liebt es, sich über Ländergrenzen hinweg zu vernetzen und auszutauschen. Hier bei Kräuter&Leut lässt sie uns mit Kräutersteckbriefen an ihrem Wissen teilhaben. Immer gut gelaunt und spontan – das ist Walburg mit ihrer Liebe zur Natur.
Text: Walburg Ernst
Kommentar: Cornelia Müller
Bilder: Walburg Ernst
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