23. April 2021
Waldecker Frühling

Auch unter der Erde war vieles in Bewegung. Im Kemnather Land erheben sich aus der fast ebenen Landschaft einige Basaltkegel – ehemalige Vulkane, die auf besondere Weise das Landschaftsbild prägen. Gebildet wurden sie im Zeitalter des Tertiär/Miozän, also vor rund 20 Millionen Jahren.
Die Erdoberfläche war damals 200 bis 300 Meter höher als heute und bestand aus einer dicken Sandsteinschicht, dem Keuper. Die Erdkruste schwamm auf glutflüssigem Magma. Durch die Auffaltung der Alpen kam es auch in unserer Gegend zu tektonischen Bewegungen. Es gab viele Erdbeben, Gesteinsschichten zerbrachen und verschoben sich und in den Verwerfungsspalten stieg Magma nach oben. Wenn das 1000 Grad heiße Magma vor der Erdoberfläche mit Grundwasser in Berührung kam, gab es schwere Explosionen. Gesteine, Magma und Wasserdampf wurden aus den Förderschloten gesprengt. Die restliche Lava im Schlot erkaltete, erstarrte und verdichtete sich zu einem harten Basaltpfahl. Im Laufe von vielen Millionen Jahren, wurden die weicheren Gesteinsschichten, die den Basalt umgaben durch die andauernde Verwitterung abgetragen und der Basalt freigelegt.1
Besondere Pflanzen wachsen heute an den Basalthängen des Waldecker Schlossberges.Die Südseite des Berges, ein sehr magerer und trockener Standort bietet den idealen Boden für Silberfingerkraut, Dost, Quendel und Leimkraut. Oben im Bereich der Burg wachsen weißer Mauerpfeffer, Königskerzen und Wermut. Wunderschön blühen im Mai auf einer abgelegenen Magerwiese verschiedene Knabenkräuter, die man vom Wiesenrand aus bewundern kann.

Rund um den Schlossberg durften viele Bäume und Wildfruchtsträucher jahrzehntelang wachsen wie sie wollten und wir haben das große Glück, das Ergebnis dieses Wildwuchses bewundern zu können. Imposante, freistehende Nadelbäume, knorrige verwilderte Obstbäume, Schlehenhecken, alte erhabene Weißdorne und Hagebutten begleiten unseren Weg. Im Schatten der Bäume fühlen sich viele Wildkräuter wohl. Eine mystische Aura umgibt diesen Basaltberg, seine Pflanzen und die Burgruine.
Schlehe
Der üppig weißblühende Strauch ist das erste blühende Wildobstgehölz in Mitteleuropa und eine wichtige Nahrungsquelle für über hundert Insektenarten. Zur Blütezeit von Ende März bis Anfang Mai prägt die Schlehe das Bild der Landschaft und wir sehen, dass sie in der Natur allgegenwärtig ist. Die reinweißen Blüten duften stark nach Bittermandeln. Ein Sirup aus den Blüten konserviert das feine Aroma und schmeckt im Sommer im Mineralwasser. Ein Tee aus den Blüten wirkt als sehr mildes und gut wirksames Abführmittel. Aufgrund ihrer schwarzen Rinde wird die Schlehe auch Schwarzdorn genannt.
„Bereits in der Jungsteinzeit war die Schlehe ein beliebtes Nahrungsmittel. Bei den Pfahlbauten am Bodensee fand man außerdem durchbohrte Kerne, die man offenbar als Kette trug.“1

Alte schutzmagische Anwendung
Als sympatisches Heilmittel werden drei Blütenstängel dreimal hintereinander gegessen. Es soll ein Jahr vor Gicht, Rheuma und Fieber schützen. Im folgenden Jahr wird die Anwendung wiederholt.
Der Schwarzdorn diente auch als Schutzstrauch vor Blitz, Feuer und Krankheiten. Zu diesem Zweck wurde er, ähnlich dem Holunder, gerne als Hecke in die Nähe von Häusern gepflanzt.
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Bauernregeln und -weisheiten
„Ist die Schlehe weiß wie Schnee,
ist es Zeit, dass man die Gerste säe.“
Je früher die Schlehen blühten, desto früher konnte die Ernte beginnen. Man glaubte: So viele Tage, wie die Schlehe vor Georgi (24. April) blüht, so viele Tag vor Jakobi (25.Juli) wird dann das Korn reif. 1
1 Rudi Beiser, Geheimnisse der Hecken, Eugen Ulmer KG, 2019
2 Prof. Dr. Otto Altendorfer, Leonhard Zintl, Burg und Markt Waldeck im Laufe von Jahrhunderten, Hochschulverlag Mittweida, 2008
Texte Startbild, 1 + 3: Ulrike Gschwendtner
Redaktion, Bild 3: Cornelia Müller
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