Waldecker Frühling

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Die Erde rund um den Schlossberg in Waldeck hat schon viel erlebt. Für den Bau der Burg auf dem Schlossberg wird das 11. Jahrhundert angenommen. Mehrere Adelsgeschlechter werden als Eigentümer der Burg genannt, die bis ca. 1680 Sitz des Landrichters war. Am 18. November 1665 brennt die obere Burg durch ein fahrlässig verursachtes Großfeuer aus. Ein Wiederaufbau scheiterte aus verschiedenen Gründen. Im September 1704 wird die Burg nach Belagerung durch kaiserlich-alliierte Truppen an diese übergeben und im Jahr 1705 demoliert. Die Ruine lieferte nun Baumaterial für Bauten im Markt Waldeck. In der Nacht vom 24./25. März 1794 zerstört ein verheerender Brand den Markt Waldeck unterhalb der Burg.1
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Auch unter der Erde war vieles in Bewegung. Im Kemnather Land erheben sich aus der fast ebenen Landschaft einige Basaltkegel – ehemalige Vulkane, die auf besondere Weise das Landschaftsbild prägen. Gebildet wurden sie im Zeitalter des Tertiär/Miozän, also vor rund 20 Millionen Jahren.

Die Erdoberfläche war damals 200 bis 300 Meter höher als heute und bestand aus einer dicken Sandsteinschicht, dem Keuper. Die Erdkruste schwamm auf glutflüssigem Magma. Durch die Auffaltung der Alpen kam es auch in unserer Gegend zu tektonischen Bewegungen. Es gab viele Erdbeben, Gesteinsschichten zerbrachen und verschoben sich und in den Verwerfungsspalten stieg Magma nach oben. Wenn das 1000 Grad heiße Magma vor der Erdoberfläche mit Grundwasser in Berührung kam, gab es schwere Explosionen. Gesteine, Magma und Wasserdampf wurden aus den Förderschloten gesprengt. Die restliche Lava im Schlot erkaltete, erstarrte und verdichtete sich zu einem harten Basaltpfahl. Im Laufe von vielen Millionen Jahren, wurden die weicheren Gesteinsschichten, die den Basalt umgaben durch die andauernde Verwitterung abgetragen und der Basalt freigelegt.1

Besondere Pflanzen wachsen heute an den Basalthängen des Waldecker Schlossberges.Die Südseite des Berges, ein sehr magerer und trockener Standort bietet den idealen Boden für Silberfingerkraut, Dost, Quendel und Leimkraut. Oben im Bereich der Burg wachsen weißer Mauerpfeffer, Königskerzen und Wermut. Wunderschön blühen im Mai auf einer abgelegenen Magerwiese verschiedene Knabenkräuter, die man vom Wiesenrand aus bewundern kann.

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Rund um den Schlossberg durften viele Bäume und Wildfruchtsträucher jahrzehntelang wachsen wie sie wollten und wir haben das große Glück, das Ergebnis dieses Wildwuchses bewundern zu können. Imposante, freistehende Nadelbäume, knorrige verwilderte Obstbäume, Schlehenhecken, alte erhabene Weißdorne und Hagebutten begleiten unseren Weg. Im Schatten der Bäume fühlen sich viele Wildkräuter wohl.   Eine mystische Aura umgibt diesen Basaltberg, seine Pflanzen und die Burgruine.

Schlehe
lat. Prunus spinosa

Der üppig weißblühende Strauch ist das erste blühende Wildobstgehölz in Mitteleuropa und eine wichtige Nahrungsquelle für über hundert Insektenarten. Zur Blütezeit von Ende März bis Anfang Mai prägt die Schlehe das Bild der Landschaft und wir sehen, dass sie in der Natur allgegenwärtig ist. Die reinweißen Blüten duften stark nach Bittermandeln. Ein Sirup aus den Blüten konserviert das feine Aroma und schmeckt im Sommer im Mineralwasser. Ein Tee aus den Blüten wirkt als sehr mildes und gut wirksames Abführmittel. Aufgrund ihrer schwarzen Rinde wird die Schlehe auch Schwarzdorn genannt.

„Bereits in der Jungsteinzeit war die Schlehe ein beliebtes Nahrungsmittel. Bei den Pfahlbauten am Bodensee fand man außerdem durchbohrte Kerne, die man offenbar als Kette trug.“1
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Alte schutzmagische Anwendung

Als sympatisches Heilmittel werden drei Blütenstängel dreimal hintereinander gegessen. Es soll ein Jahr vor Gicht, Rheuma und Fieber schützen. Im folgenden Jahr wird die Anwendung wiederholt.
Der Schwarzdorn diente auch als Schutzstrauch vor Blitz, Feuer und Krankheiten. Zu diesem Zweck wurde er, ähnlich dem Holunder, gerne als Hecke in die Nähe von Häusern gepflanzt.

Tipp: Wer im Spätherbst die Früchte ernten möchte, kann sich jetzt günstige Standorte merken.

Bauernregeln und -weisheiten

„Ist die Schlehe weiß wie Schnee,
ist es Zeit, dass man die Gerste säe.“ 

Je früher die Schlehen blühten, desto früher konnte die Ernte beginnen. Man glaubte: So viele Tage, wie die Schlehe vor Georgi (24. April) blüht, so viele Tag vor Jakobi (25.Juli) wird dann das Korn reif. 1

 

1  Rudi  Beiser, Geheimnisse der Hecken, Eugen Ulmer KG, 2019

2  Prof. Dr. Otto Altendorfer, Leonhard Zintl, Burg und Markt Waldeck im Laufe von Jahrhunderten, Hochschulverlag Mittweida, 2008

 

Texte Startbild, 1 + 3: Ulrike Gschwendtner

Redaktion, Bild 3: Cornelia Müller

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